Don’t Panic Convention 2014

Von 16. bis 18. Mai hat in Wien Floridsdorf einmal mehr die Don’t Panic Convention stattgefunden, mittlerweile eine feste Institution der Wiener Spieleszene. Nachdem die Con in den letzten Jahren recht stark gewachsen ist, wenn auch nicht wesentlich über die 100 Besucher hinaus, ging es dieses Jahr zurück zu den Wurzeln: weniger drumherum, weniger Aufwand, mehr Zeit zum Spielen.

Den Samstag habe ich heuer vor allem mit Brettspielen verbracht. Viel Neues war für mich nicht dabei, aber ich habe einige mitgebrachte und aus der Spielothek entlehnte Perlen durchspielen können. Hier eine kleine Übersicht:

Koryo

KoryoDas Kartenspiel aus Korea von den Machern von Gosu hatte ich in Essen leider nicht mehr mitnehmen können, weil es innerhalb kürzester Zeit ausverkauft war. Aber mittlerweile hatte ich es erstanden und hier wurde es nun erstmals ausprobiert. Das Design der Karten ist äußerst gelungen, die Ästhetik insgesamt ein Highlight. Aber auch er Spielmechanismus spricht mich sehr an. Indem man mehr Karten der gleichen Art vor sich liegen hat als alle anderen Mitspieler kann man Boni für sich freispielen und gleichzeitig am Schluss Punkte abholen. Dabei werden die ausgeteilten Karten in jeder Runde weniger, die Karten, die man vor sich liegen haben darf, immer mehr. Es dürfen allerdings immer nur identische Karten gespielt werden, der Rest wird wieder in den gemeinsamen Nachziehstapel gemischt. Neben den Boni gibt es noch fiese Angriffskarten, die sich allerdings als Minuspunkte auch negativ auf den angreifenden Spieler selbst auswirken. Wer gewinnen will, muss auf die Taktik der Mitspieler achten und im richtigen Moment zuschlagen. Zu viert hat Koryo jedenfalls sehr viel Spaß gemacht.

Concept

Concept

Concept wurde gestern für das Spiel des Jahres nominiert und wird den Preis nach meinem Gefühl auch gewinnen. Das französische Spiel beweist, dass man auch der ausgelutschtesten Idee, dem Begriffeerklären, noch etwas abgewinnen kann – mit der richtigen Idee. Hier wird nämlich nicht mit Worten oder Gesten oder Knetmasse oder Lego erklärt, sondern anhand von Piktogrammen und Symbolen. Das klingt unglaublich langweilig, macht aber in der Realität verdammt viel Spaß. So zum Beispiel aus einem Einhorn ein fiktives Wesen aus einer Geschichte mit vier Beinen, weißer Farbe und einem kegelförmigen Gebilde am Kopf. Gerade der Sprung vom konkreten Begriff zum abstrakten Konzept und zurück kann zu einiger Verwirrung führen (und ist übrigens für Kinder unter zehn eine ziemliche Herausforderung). Die Spielregeln kann man dabei ziemlich vergessen, Concept ist eher eine Aktivität als ein Spiel. Ums Gewinnen geht es nicht bzw. sind Hausregeln schnell erfunden.

Coup

Coup

Coup hat insofern eine lustige Entstehungsgeschichte, als es wie eine Fortsetzung zu Resistance / Der Widerstand vom gleichen Verlag daherkommt, in Wirklichkeit aber ein japanisches Design mit einem neuen Thema ist. Letzteres ist aber sehr passend, weil es auch in Coup um geheime Identitäten geht, wenn auch weniger um eine Verrätermechanik. Auch hier: wunderschöne Illustrationen auf gut gestalteten Karten. Am ehesten lässt sich das Spiel als eine Mischung aus Mascarade und Love Letter beschreiben. Wie bei Mascarade spielt man mit verdeckten Identitäten und darf Lügen, solange man dabei nicht erwischt wird. Wie bei Love Letter geht es darum, die Karten der Mitspielerinnen zu erraten und sie mit geschickt gesetzten Aktionen aus dem Spiel zu werfen; und außerdem gibt es nur sehr wenige Karten. Dazu kommt aber ein Geldmechanismus: Mit manchen Aktionen kann man Geld verdienen, andere (insbesondere die tödlichen) kosten Geld. Das macht Coup etwas taktischer als Love Letter und weniger verwirrend als Mascarade, wo mir der Identitätstausch zu weit geht. An der Con haben wir zu sechst gespielt, was ganz offensichtlich der Idealfall ist. Zuhause haben wir Coup schon mit drei Spielern getestet, was leider etwas geholpert hat. Da kann es schon dazu kommen, dass fünf Züge vor Schluss der Gewinner schon feststeht, und man nur noch mechanisch die Züge abhandelt. Mit einer größeren Runde aber entwickelt Coup sein volles Potenzial.

Wir haben natürlich noch mehr gespielt, aber Spiele wie Fiasco, Call of Cthulhu und Battlestar Galactica habe ich andernorts schon mal ausführlicher vorgestellt.