Berge des Wahnsinns – Teil 3

NSCs Berge des Wahnsinns

Es geht weiter mit unserer Cthulhu-Kampagne, trotz einiger Unterbrechungen durch echte Reisen und Urlaube der Spielerinnen und Spieler. Mittlerweile ist es draußen stimmungsvoll kalt geworden und wir sind tatsächlich im ewigen Eis angekommen. Die Schifffahrt wurde dann im letzten Abschnitt noch sehr spannend. Bei einem heftigen Sturm wurde plötzlich klar, warum am Anfang so viel Wert auf die Ausrüstung gelegt worden war. Als sich irgendetwas im Frachtraum losriss, zögerten die Spielercharaktere keine Sekunde und versuchten todesmutig einen wild herumrutschenden Motor zu retten. Und das schreibe ich nicht leichthin, denn einer der Charaktere wurde von dem Teil fast zerquetscht und konnte nur durch Erste Hilfe in letzter Sekunde gerettet werden. Das war tatsächlich das erste Mal, dass ich die eine Regel im Spiel eingesetzt gesehen habe, mit der man einen Charakter mit null Trefferpunkten noch ins Leben zurückholen kann. In Sachen Stabilität schaut es bei dem fraglichen Charakter allerdings nicht viel besser aus …

Nichtspielercharaktere

Auf der Reise und in der Antarktis wurde mir klar, dass eine der größten Herausforderungen der Kampagne für mich war, mit den Nichtspielercharakteren zurechtzukommen. Die Kampagnenbände präsentieren rund 70 NSCs mit Fotos, Werten und Charakterbeschreibungen. Fast die Hälfte von ihnen sind Teilnehmer der einen oder anderen Polarexpedition. Die schiere Menge der Charaktere ist an sich schon ein Problem. Es ist schlichtweg nicht machbar, alle halbwegs greifbar vorkommen zu lassen, geschweige denn sie mit Leben zu erfüllen. Dennoch ist es enorm wichtig, die NSCs in Berge des Wahnsinns nicht zu Hintergrundrauschen verkommen zu lassen. Der Plot der Kampagne präsentiert, wenn man einmal von der Rivalität zwischen Starkweather und Lexington absieht, sehr wenig zwischenmenschliches Drama. Und auch die Handlung selbst zieht über längere Strecken eher an den Spielercharakteren vorbei, ohne dass sie selbst viel bewirken könnten. Irgendwann werden sie in der Antarktis ankommen, das ist nun einmal kein Spoiler. Also hängt die Struktur, die Spannung und der Spaß der Kampagne in weiten Teilen an der Interaktion zwischen Charakteren und NSCs.

Pick and Choose

Ich habe das Problem sicher nicht ideal gelöst, aber doch eine Herangehensweise gefunden. Jeder Spielercharakter erfüllt eine bestimmte Funktion in der Expedition, vom Hundeführer über den Piloten bis zum Archäologen, und gehört zum entsprechenden Team. Jeweils ein anderes Mitglied dieses Teams habe ich detaillierter ausgestaltet und immer wieder vorkommen lassen, damit jeder Spieler mindestens eine Bezugsperson hatte. Diese Person hat dann auch in der gleichen Kabine geschlafen; ein weiterer Anknüpfungspunkt für die Spieler. Und nicht zuletzt haben sich die Spielerinnen und Spieler auch selbst ihre Lieblinge herausgesucht, zum Beispiel den Lagerarbeiter Hidalgo (um den wohl gebalgt wird, wenn Ersatzcharaktere notwendig werden) oder den wissenschaftlichen Assistenten Orgelfinger (einfach wegen des Namens). Dass hat natürlich dazu geführt, dass gewisse Charaktere irgendwann wie aus dem Nichts aufgetaucht sind, weil sie vor einem bestimmten Plotpunkt einfach  nie relevant waren. Aber das ist wohl nicht zu vermeiden. Eine große Hilfe war unsere kleine Korkpinnwand, auf der wir die Bilder neu auftauchender Charaktere gesammelt haben. So gab es auch in Sitzungen nach einigen Wochen Pause keine Probleme, sich an die wichtigsten Gesichter und Namen zu erinnern.