Berge des Wahnsinns – Teil 1

Berge des Wahnsinns

Vier Jahre nach Erscheinen der Cthulhu-Kampagne Berge des Wahnsinns bei Pegasus Spiele habe ich mich endlich dazu durchgerungen, sie auch zu leiten. Hier im Blog möchte ich die Gelegenheit nutzen, den wohl längeren Prozess mit einigen Beiträgen zu begleiten. Es sollen weniger Spielberichte sein (davon gibt es schon einige im Netz, insbesondere im Cthulhu-Forum), sondern eine Art laufende Rezension mit viel Praxisbezug und einigen Überlegungen zur Spielleiterpraxis. Leider sind die drei Bände mittlerweile vergriffen und auch noch nicht als PDF erschienen. Dennoch werden sie beim einen oder anderen sicher noch ungespielt im Regal stehen.

Warum es so lange gedauert hat, bis wir endlich in Richtung Antarktis aufgebrochen sind? An sich gibt es ja viele gute Gründe, sich mit der Kampagne zu beschäftigen. Ihre Grundidee ist genial: Man spielt sozusagen die Fortsetzung des Romans At the Mountains of Madness von H. P. Lovecraft, ist also näher an der Literatur als jede andere der großen publizierten Kampagnen. Dazu noch die Entstehungsgeschichte der neuen Auflage: Der deutsche Verlag war mit dem Original nicht ganz zufrieden und fragte beim Autor nach, ob sie Änderungen durchführen dürften. Der Autor Charles Engan wählte den radikaleren Ansatz und schrieb gleich eine komplette Neuversion der Kampagne. Verlorene Originaldateien haben auch ihre Vorteile … Diese neue Version wurde übersetzt und ist bisher nur in deutscher und französischer Sprache erschienen – das englische Original gibt es paradoxerweise bis heute nicht zu kaufen.

Pegasus hat bei der Publikation nicht gekleckert, sondern geklotzt. Die drei Hardcover-Bänden enthalten umfangreiche Informationen über die Antarktis, Expeditionen in den Dreißigerjahren, detaillierte Packlisten, Illustrationen und Grundrisse von Schiffen und Flugzeugen und Hintergründe zu wirklich jedem einzelnen Expeditionsmitglied, und sei es auch nur ein Kistenträger. Zusätzlich gab es ein offizielles und ein fan-gemachtes Expeditionspack mit Spielleiterschirm, Handouts, Aufklebern, Blöcken und Zeitungsausschnitten sowie einen Soundtrack der Band Erdenstern, der die Kampagne Kapitel für Kapitel begleitet.

Die Fülle an Material ist beeindruckend, aber auch etwas angsteinflößend. Als Spielleiter steht man vor der Herausforderung, diesen Hintergrund zu verarbeiten und sinnvoll ins Spiel einzubringen. Ein gewisser historischer Realismus, oder zumindest Plausibilität, ist ein wichtiger Teil von Cthulhu, aber Berge des Wahnsinns geht schon sehr in Richtung Simulation bis Buchhalterei. Beim Lesen konnte ich mir jedenfalls nicht vorstellen, dass das Überprüfen von Ladelisten oder eine wochenlange Seereise spannend zu spielen sei.

Aber man wächst mit der Herausforderung. Für mich als sehr plot-orientierten Spielleiter war es schon auch spannend, einfach einmal eine riesige, expeditionsförmige Sandkiste mit vielen interessanten Charakteren, Hintergründen und Rätseln zu erhalten, bei der die Spannungsbögen eben nicht offensichtlich sind. Diese Kampagne, so viel war klar, würde von der Interaktion zwischen den Spielern und den anderen Charakteren leben. Sie würde auch davon abhängen, wie aktiv die Spieler ihre eigenen kleinen und großen Plots suchen oder auch einmal links liegen lassen.

So viel sei verraten: Ich war positiv überrascht, wie gut dieses Charakterspiel ohne vorgegebene Action, Plotpoints oder Höhepunkte bisher funktioniert hat. Aber dazu mehr in den folgenden Teilen.

P.S. Im übrigen fordere ich das Drucken von Rollenspielbüchern auf weißem Hintergrund.  Mit diesen dämmrigen Energiesparlampen und meinem dahinschwindenden Augenlicht kann ich die Schrift quer über grauen Foliantenhintergründen nicht mehr lesen. Außerdem waren die Hintergründe das letzte Mal vor zehn Jahren originell. Kampagnenbücher sind Gebrauchsgegenstände. Man kann sie gleichzeitig schön und lesbar layouten. *hust* Fate Core *hust*

 

3 Comments

  1. Hi Markus!
    Ich finde es toll, dass du dieses Blog machst und wünsche dir schon mal alles Gute und den nötigen Durchhaltewillen. Jedenfalls werde ich regelmäßig hier vorbei schauen! 🙂

    Ich war zusammen mit Tom selbst als Spieler in einer Gruppe, die „Berge des Wahnsinns“ spielte. Leider ist mitten im Abenteuer der SL abgesprungen (mangelnde Zeit und auch Motivation, zudem wurde seine Freundin krank), weswegen das ganze dann ein abruptes Ende fand. Andererseits ist die Kampagne aus meiner Warte auch zu langatmig und langweilig – da hatte wohl auch der extrem (!) railroadende SL eine gewisse Mitschuld. Ich habe nichts gegen leichtes Railroading und nutze das auch gelegentlich selbst als SL, aber das war damals wirklich, wirklich, wirklich zu viel.

    Daher bin ich schon sehr gespannt, wie es bei dir laufen wird.

    Viel Glück bei der Runde und deinem Blog,
    Matthias

    Reply

Kommentar verfassen